Elemente & Ernährung: Erde – Jeder Mensch ist mit der Erdscholle, auf der er geboren wurde, verbunden.

Da wir die Betrachtung des Elementes Wasser mit einem Zitat des Naturforschers Viktor Schauberger beendet haben, möchten wir das Element Erde mit seinen Worten einleiten: …Der heutige Landwirt behandelt Mutter Erde schlimmer als eine Hure. Er zieht ihr alljährlich die Haut ab und vergiftet sie mit Kunstdüngerschlacken und wundert sich noch obendrein, daß dieses Luder dann alljährlich mehr Arbeit verlangt und dafür Jahr für Jahr weniger gibt.

Erdkugel in Jiaogulan Blättern      Der alte Bauer war seiner Scholle gegenüber Priester und Arzt. Der moderne Landwirt dagegen ist innerlich und äußerlich politisch zerrissen und spekuliert auf staatliche Subventionen. Er meint mit Gewaltmaßnahmen der Natur trotzen zu können…

Kaum zu glauben, daß diese Worte vor über 80 Jahren geschrieben wurden. Betrachten wir uns heute die große Empörung vieler Landwirte, weil die Großabnehmer ihrer Fleischfabriken und Massenmilchprodukte keinen angemessenen Preis bezahlen möchten und die Existenz der Landwirte gefährden, so könnte man sich einige Fragen stellen: War es je der Sinn der Landwirtschaft, in riesigen Lege-, Melk- und Mastbetrieben und auf überdimensionalen Monokultur- Ackerflächen Nahrung »zu produzieren«? Welche Folgen hat es für den Menschen, sich von diesen »Naturprodukten« zu ernähren? Und wo bleibt dabei die Achtung vor der Natur?

Schon für meine Großmutter und für viele anderen »kleinen Bauern« ihrer Heimat waren die »Großbauern« seltsame Menschen. »Die konnten nie genug bekommen. Und da sie meistens noch ein zweites Haus in der Stadt hatten, haben sie irgendwann den Bezug zum Land verloren.«

Jede Verallgemeinerung trägt natürlich auch einen Kern Ungerechtigkeit in sich. Nicht jeder Bauer ist ein Subventionsjäger, und der Wunsch, seinen Betrieb zu vergrößern und sich selbst wirtschaftlich weiterzuentwickeln, ist absolut legitim. Die Gefahr liegt jedoch zumeist in der Entscheidung, ob die Entwicklung in Richtung Qualität oder in Richtung Quantität geht, in Richtung kreative Individualität oder in Richtung subventionierte Abhängigkeit. Auch hier ist das Thema Bewußtsein der entscheidende Faktor. In dem Maße wie ein hochwertiges Naturprodukt wie beispielsweise die Milch oder das Kilo Fleisch zur reinen Wahre degradiert wird, ein Tier zum seelenlosen »Lieferanten«, setzt irgendwann eine Eigendynamik ein, die nur noch schwer zu bremsen ist.

Der »Städter« tut sich mit der »beseelten Natur« häufig noch ein bißchen schwerer. Wer das Lamm nur als Filet kennt, hat nicht denselben Bezug zu ihm wie die Tochter des Schäfers. Stadt und Land sind von jeher zwei sehr unterschiedliche Kulturräume. Auf dem Land ist es zumindest theoretisch möglich, sich von dem zu ernähren, was wächst. In der Stadt ist das sicherlich schwieriger zu bewerkstelligen. Ich muß dabei immer wieder an eine lange zurückliegende Reise nach Tunesien denken. Dort wurden in der Hauptstadt Tunis Tausende von Landbauern »zwangsangesiedelt«. Sie bekamen kleine Wohnungen mit Balkon in riesigen Wohnblöcken. Ein guter Freund erzählte mir dann, daß diese Menschen in ihren Badewannen Kartoffeln züchteten und Hühner auf dem Balkon hielten. Geschlachtet wurde ebenfalls auf dem Balkon. Überall hingen dort gehäutete Lämmer. Man wollte auf gar keinen Fall abhängig werden von irgendwelchen Großhändlern.

Als in Europa die Landflucht begann und die Städte immer größer wurden, mußten natürlich Wege gesucht werden, die Bevölkerung zu ernähren. Der regionale Bauer als Nahrungslieferant reichte nicht aus. Vielerlei »Kunstnahrung « wurde erschaffen, die heute ganze Supermärkte füllt. Um den Bedarf an Frischprodukten dauerhaft zu gewährleisten, kam es zur Nahrungsglobalisierung. Was auf den ersten Blick als gute Lösung erscheint, da ja immer irgendwo auf der Welt gerade Erntezeit ist und in manchen Ländern sogar das ganze Jahr, blieb nicht ohne Folgen. Denn der Mensch ist kein von der Natur unabhängiges Wesen, sondern er ist mit der Erde, der er entstammt, verbunden. Nicht nur die Tatsache, daß diese ganzjährigen Frischprodukte lange Wege zurücklegen müssen, unreif geerntet und künstlich haltbar gemacht werden, hat einen Einfluß auf die Qualität dieser Nahrungsmittel, was hinzukommt ist, daß vielerlei Allergien und Unverträglichkeiten durch diese »fremden Früchte« ausgelöst werden können.

Meine Großmutter hat es mir so erklärt (vom Badischen ins Hochdeutsche übersetzt): »Es ist doch alles ganz einfach. Die Natur bringt im Laufe des Jahres immer genau das hervor, was für uns – dem Klima und der Jahreszeit angepaßt – das Richtige ist. Jedes Obst oder Gemüse hat seine Saison.

Eine Frucht ist dann am wertvollsten und vitaminreichsten, wenn sie von Natur aus reif ist, und sollte deshalb zu dieser Zeit gegessen werden. Wir sind keine Chinesen, und wir sind keine Australier. Jeder Mensch ist mit dem Stück Erde, auf dem er geboren wurde, verbunden. Das heißt, er muß die Früchte essen, die in dieser Region wachsen. Nur die heimischen Früchte geben ihm die volle Kraft. Und da wir ein Teil der Natur sind, schenkt sie uns die notwendigen Lebensmittel genau dann, wenn wir sie am nötigsten brauchen.

Für euch Städter ist das nicht so leicht, weil ihr keine Ahnung habt, wann was wächst. Ein Glück, daß immer mehr Bauern saisonale Obst- und Gemüsekisten anbieten. Dadurch erhält man nicht nur die wertvollsten Lebensmittel, sondern man lernt auch noch etwas über die Zyklen in der Natur.

Daß Spritzmittel nicht gut sind für die Gesundheit, ist ja klar. Gift ist Gift… Das war noch nie anders. Also: Jede Jahreszeit bringt andere Lebensmittel hervor. Das, was gerade wächst, ist immer das Beste. Und, Junge, was noch viel wichtiger ist: Nimm dir Zeit beim Essen und sei immer dankbar!«

Unsere Landwirtschaftskultur befindet sich wie vieles andere in einem großen Umdenkprozess. Die Pioniere der Veränderung, die »Biobauern«, wurden lange belächelt. Heute sind sie es oft, die – wenn auch mit viel Mühe – von dem leben können, was ihnen das Land schenkt. Dabei ist es vor allem die Selbstvermarktung, in der große Chancen liegen. Die Rechnung ist einfach: Während der Milchbauer 10 Liter Milch produzieren muß, um vom Großhandel dafür zwei Euro zu erhalten, sind bewußte Konsumenten bereit, dem Biobauern auf dem Biohof zwei Euro für einen Liter Milch zu bezahlen. Wie überall in der Produktionsindustrie muß der Trend weg von der Massenproduktion und zurück zur Qualität führen. Das Regionale muß wieder mehr gestärkt werden. Davon profitieren letztlich alle. Denn zum einen, – so meine Großmutter – sind die regionalen Lebensmittel immer die besten, da sie dort wachsen, wo auch der Mensch lebt. Und zum anderen wird damit das Prinzip der Abhängigkeit durchbrochen. Und wie lange in Zeiten des Klimawandels der globale Transfer von Gütern noch reibungslos möglich ist, wissen wir ebenfalls nicht.

Das Thema Landwirtschaft ist auch das Lebensthema des Bergbauern und »Agrar-Rebellen« Sepp Holzer. (Sepp Holzer – Der Agrar- Rebell – Leopold Stocker Verlag) Auf seinem Krameterhof in Ramigstein ist es ihm gelungen, eine neue Form der Landwirtschaft nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch ins Leben zu rufen und damit viele Menschen zu inspirieren. Seine Form der »Permakultur« macht es möglich, daß in einer Region mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 4 Grad Celsius alle nur erdenklichen Früchte wachsen. Durch Naturbeobachtung und eine große Liebe zu allem, was wächst, ist es ihm gelungen, Naturzusammenhänge zu begreifen und sich die Symbiosen in der Natur dienstbar zu machen. So läßt er freilaufende Schweine Felder »umgraben« und pflanzt Getreide im Wald. Anfangs belächelt und jahrzehntelang von der »Landwirtschaftslobby« bekämpft, leitet er nun Projekte auf der ganzen Welt und »läßt es auch dort wachsen«, wo man den Boden schon aufgegeben hatte.

Sein Credo: »Zum obersten Prinzip wurde es mir, die Natur zu begreifen und sie nicht, wie in der Ausbildung anerzogen, zu bekämpfen. Jedes Tier und jede Pflanze hat ihre Aufgabe in der Schöpfung. Zu Problemen kommt es nur, wenn der Mensch die Geschicke falsch lenkt.«

Daß es auch anders geht, zeigt Sepp Holzer all denen, die seinen Hof besuchen. Und was ihn selbst am meisten freut, ist, daß er viele Menschen dazu angeregt hat, wieder aufs Land zu ziehen und auf bereits verlassenen Bauerhöfen sein Prinzip der unbegrenzten Möglichkeiten in Zucht und Anbau praktisch umzusetzen. Weg von der einsilbigen, bodenübersäuernden Monokultur, hin zur individuellen, lebendigen und kreativen Permakultur. Nur wer sich ständig weiterentwickelt und immer neue ökologische Nischen sucht, kann auf Dauer ökonomisch erfolgreich sein. Das gilt für den Landwirt ebenso wie für jeden anderen Unternehmer.

Zugegeben, nicht jeder ist ein Sepp Holzer, ein Viktor Schauberger oder ein Johann Grander. Diese Menschen waren und sind Pioniere. Was sie jedoch mit all denen verbindet, die sich ernsthaft sorgen um das Wohl der Natur und der Menschen, ist deren Glaube an die Vollkommenheit der Natur. Ihr Wissen ist durch Naturbeobachtung entstanden.

Die vielen Projekte Sepp Holzers in aller Herren Länder haben ihn begreifen lassen, daß es nicht nur das jeweilige Klima und die vorhandenen Bedingungen sind, die über den Erfolg des Anbaus entscheiden, sondern das Bewußtsein für die Zusammenhänge. »Wir leben im Kältepol Österreichs. Durch Jahrhunderte mußten unsere Bauern das karge Überleben lernen. Und dann komme ich in die Tropen, in ein Klima, das drei Ernten im Jahr zulassen würde – und was machen die Leute? Sie verhungern im Paradies…«

Literatur
* »Sepp Holzer – Der Agrar-Rebell«
Leopold Stocker Verlag,
ISBN-10: 37 02 00 97 01
ISBN-13: 9 78 – 37 02 00 97 00

Michael Hoppe

ⒸNATURSCHECK Winter 2009
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mit freundlicher Genehmigung, Verlag für Natur & Mensch

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