Element Erde – Und sie bewegt sich doch?

Die Erde ist eine Scheibe! Quatsch, sie ist ein Laib Brot, und alle möchten sich eine Scheibe abschneiden. Dabei könnte man sich – im sprichwörtlichen Sinne – von ihr tatsächlich eine Scheibe abschneiden. Die Mutter Erde ist nämlich in allen Bereichen harmonischen Gleichgewichtes ein leuchtendes Vorbild. Nehmen wir einmal unsere Neigung zu Hektik, Ungeduld und Stress. Beständig glauben wir, wir kämen nur dann voran, wenn wir alles schnell und sofort tun. Denn wir haben ja ein Ziel, auf das wir uns zu bewegen. Nicht wahr? Die Erde kann darüber nur lachen. Kindische Ansichten! Sie weiß, dass sie jeden Ort, den sie gestern besucht hat, morgen wieder besuchen wird. Denn sie dreht sich im Kreis. Und das macht ihr nichts aus. Das ist Teil ihres Lebens. Warum sollte sie sich also sorgen um das Morgen?

Unsere blaue Erde mit den Kontinenten Asien, Afrika, Europa, Australien Wenn wir Menschen uns im Kreis drehen, wird uns schwindelig. Wir wollen vorwärts kommen. Wir wollen immer und beständig irgendwohin. Wir wollen Türme bauen, die in den Himmel reichen. Wir sind dauernd unterwegs. Doch irgendwie ist es niemals der perfekte Ort. Irgendetwas fehlt immer. Deshalb bleiben wir selten lange da, sondern laufen schon bald in die entgegensetzte Richtung wieder davon. Wir warten auf den großen Tag. Den Tag, an dem wir finden werden, was wir suchen. Den Tag, an dem das wahre Leben beginnt.

Die Erde schaut uns zu und denkt sich: »Diese Menschen! Sie bereiten sich ständig auf ein Leben vor, das nie stattfindet.« Das Element Erde ist ein Symbol für das Mütterliche und für Beständigkeit. So wie der Naturmensch in der Erde die verehrenswürdige, omnipräsente Mutter sieht, das, was uns nährt und trägt, so sieht das Kind in seiner Mutter dasselbe. Sie ist immer da, wenn man sie braucht. Sie füttert uns, wenn wir Hunger haben. Und sie trägt uns, bis wir selbst laufen können. Und oft noch viel länger. Sie wird immer unsere Mutter bleiben, egal, wie alt und erwachsen wir selber sind.

Der komplette Bereich Nahrung fällt also unter das Element Erde. Obwohl wir inzwischen wissen, dass die Nahrung zudem aus Wasser besteht, und natürlich aus Luft und Feuer und, und, und… Für den Naturmenschen ist gerade das die wahre Grundlage seiner spirituellen Erkenntnis: Es ist die Vielfalt des Lebens, die das vollkommene Ganze ausmacht. Nichts kann ohne das andere bestehen. Alles ist mit allem verbunden. Wir leben nicht in der Natur, wir sind die Natur!

Unser Körper ist so sehr mit dem Element Erde und dem gleichnamigen Planeten verbunden, dass es zwischen ihnen unzählige Gemeinsamkeiten gibt. Körper und Himmelskörper bestehen beide zu zwei Dritteln aus Wasser und einem Drittel »Erde«. Sie sind beide »bewachsen«, der eine mit Haaren, der andere mit Gras, Blumen, Sträuchern und Bäumen. Auf beiden leben Mikroorganismen, worunter bei der Erde auch der Mensch fällt. Beide haben ein Verdauungssystem und eine konstante Körpertemperatur. Beide atmen. Für viele Naturforscher sind Ebbe und Flut eine Folge der Erdatmung. Beide haben eine sensible Haut, die durchzogen ist von Energiebahnen (Magnetlinien, Flüsse und Lavaströme), von Blutadern (Erdöl) und anderen lebensnotwendigen Transportsystemen. Mensch und Erde sind gewissermaßen zwei Ausdrucksformen eines und desselben Naturprinzips: Jenes, der sich selbst erhaltenden, selbst heilenden und selbst regenerierenden, synergetischen Lebenssysteme.

Die Ausbeutung des Planeten und das sich Abwenden von der Natur ist für den Naturmenschen eine Verleugnung der eigenen Herkunft. Eine Verleugnung der Mutter Erde! Für ihn etwas Unvorstellbares, da er in großen Kreisläufen denkt. Seine Erde ist rund. Er ist sich bewußt, dass er nicht nur für die Gegenwart verantwortlich ist, sondern auch für die Generationen der Zukunft. Würde er doch sonst die anderen Mitglieder der »Naturfamilie« verraten. Er würde die eigene Mutter berauben, die Mutter Erde. Brüder und Schwester ausrotten, die Tiere. Seine eigene Lebensgrundlage zerstören und damit die seiner Kinder. Und sich damit den Zorn des großen Vaters zuziehen, wo doch die ganze Natur auf dem Gesetz von Saat und Ernte aufgebaut ist, also nichts ohne Folgen bleibt. Ein solches Denken ist ihm völlig fremd. Dass es auf dieser Erde dennoch Menschen gibt, die solches tun, könnte mehrere Gründe haben. Entweder sind diese Menschen sehr hungrig. Und da sie vor lauter Hunger nicht mehr denken können, sind sie davon überzeugt, dass die Erde tatsächlich ein begrenzter Laib Brot ist, den man so schnell als möglich aufessen muß. Und so schneiden sie wie verrückt daran herum.

Oder sind es solche Menschen, wie sie ein bekannter Psychologe einmal beschrieben hat mit den Worten: »Der Mensch hat seine Herkunft verloren. Ein Mensch, der kein geistiges Ziel im Leben hat, der kann dieses Leben auf Dauer nicht ertragen. Er wird unbewußt alles tun, um dieses geistlose Leben schnellstmöglichst zu beenden. « Nur so wäre es zu erklären, das jemand beständig an dem Ast sägt, auf dem er sitzt.
     Oder es sind Menschen, die sich für Götter halten, die sich berufen fühlen, die »mangelhafte Schöpfung« zu verbessern. Sei es durch Genmanipulation, oder ähnliche naturferne Visionen.
     Glücklicherweise hat der Bewußtseinswandel längst eingesetzt. Unzählige Menschen sehen in der Rückbesinnung auf die Weisheit der Natur und auf ein natürlicheres Leben keine Rückkehr ins Neandertal, sondern eine logische Konsequenz aus gemachten Erfahrungen. Die alten Indianersprüche haben ihre Gültigkeit niemals verloren. Sie entstammen einem zeitlosen Wissen, welches seine Wurzeln in der Achtung vor dem Leben und der respektvollen Naturbeobachtung hat. Jener großartigen Kulisse, hinter der eine unsichtbare Künstlerin Werke von solch atemberaubender Schönheit schafft, daß wir nur immer wieder staunen können. Ob im Wasser oder auf dem Land, jedes Stück unberührte Natur ist ein lebendiger Ausdruck ihrer Kreativität.
   Hier noch ein paar Informationen über den Planeten Erde. Sicher wußten sie bereits, daß die Erde kein Leichtgewicht ist. Sie wiegt so um die 5.972.000.000.000. 000.000.000.000 Tonnen (5.972 Trillionen). Die 6 Milliarden Menschen nicht einberechnet. Die Erde dreht sich jeden Tag, also alle 24 Stunden einmal um die eigene Achse. Und sie tut das in atemberaubender Geschwindigkeit. Am Äquator, beispielsweise, beträgt der Erdumfang ungefähr 40.000 Kilometer. Um sich also in 24 Stunden einmal um die eigene Achse drehen zu können, muß sie dies in einer Geschwindigkeit von 1.670 Stundenkilometern tun. Eintausendsechshundertundsiebzig Kilometer pro Stunde! Wir fliegen, rasen, drehen uns also im Kreis mit »Überschallgeschwindigkeit «. Da kann es einen schon mal aus der Kurve hauen! Wären da nicht die Atmosphäre und die Erdanziehungskraft und die Weisheit des Universums, und, und, und…
     Der Indianer hatte von den physikalischen Gesetzen wohl weniger Ahnung als wir. Was ihm seine innere Ruhe brachte, war das tiefe Vertrauen darauf, daß die Erde keine Scheibe ist, sondern tatsächlich ein Laib Brot. Jedoch ein ganz besonderes Brot. Ein Wunderbrot! Ein Brot, das – wie oft auch immer wir davon essen – am nächsten Morgen wieder ganz ist. Ein vollkommenes Brot. Etwas, für das man nicht dankbar genug sein kann.

Man darf nur nicht zuviel davon essen. Sonst verdirbt man sich den Magen. Aber das weiß ja jedes Kind, nicht wahr?

Michael Hoppe

ⒸNATURSCHECK Herbst 2009
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mit freundlicher Genehmigung, Verlag für Natur & Mensch

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