Rückblick: Präparatearbeit im Winter

“Im Winter hast du bestimmt viel Zeit und kannst mal die Beine hochlegen” – so oder ähnlich zeigen mir Freunde und Bekannte gelegentlich ihre Anteilnahme an meiner Arbeit als demeter-Gärtner. Ein Fünkchen Wahrheit ist in dieser Vermutung, denn der Winter ist tatsächlich eine gute Zeit für’s Überdenken des Gewesenen und Begrüßen des Kommenden, ein Raum für Gedanken, Menschen, Bücher und innere Erlebnisse.
Ansonsten hält der Winter vielerlei Reparatur- und Vorbereitungsarbeiten bereit, die einen über Monate beschäftigen können und immer auch ein Wettlauf mit dem Frühlingsbeginn bedeuten: Wird dieses Jahr die Lüftungstechnik im Gewächshaus rechtzeitig fertig werden?, Kann das Bewässerungssystem schon im Mai benutzt werden oder funktioniert es – wie stets in den letzten Jahren – erst einige Tage bevor der Urlaub beginnt?, Schaffe ich es in diesem Jahr, die einstige Klimaautomatik wieder in Betrieb zu nehmen?
Quasi als Bindeglied zwischen der praktischen Arbeit und dem geistigen Element erscheint mir in diesem Zusammenhang das Ackerschachtelhalm-Präparat. Als einziges Präparat – also ein Mittel zur Stärkung, zum Ausgleich, zur Anregung oder zum Ausgleich der Kräfte im Boden und der Pflanze – wende ich dieses in den Wintermonaten an. Der Ursprung seiner Anwendung findet sich in “Landwirtschaftlicher Kurs” von Rudolf Steiner von 1924:

“Nehmen wir aber an, die Mondenwirkung sei zu stark, die Erde sei zu stark belebt, … Die Folge davon ist, dass der Same der Pflanze, das Obere der Pflanze, wird eine Art Boden für andere Organismen. Parasiten, Pilzbildungen treten auf. … Und wir sehen die Brandkrankheiten der Pflanzen und dergleichen auf diesem Wege sich bilden. …
Um was handelt es sich jetzt? Es handelt sich darum, dass man die Erde entlastet von der überschüssigen Mondenkraft, die in ihr ist. Man kann die Erde entlasten. Nur muss man darauf kommen, was in der Erde so wirkt, dass es dem Wasser seine vermittelnde Kraft entzieht und der Erde mehr Erdenhaftigkeit gibt, damit sie die größere Mondenwirkung nicht aufnimmt durch das anwesende Wasser. Und man erreicht dieses – … – dadurch, dass man Equisetum arvense zu einer Art von Tee macht, ziemlich konzentriertem Tee, den man dann verdünnt und dann als Jauche für diejenigen Felder benutzt, bei denen man ihn braucht, den Brand und ähnliche Pflanzenkrankheiten bekämpfen will. Da genügen wiederum ganz geringe Mengen, genügt wiederum eine Art Homöopathisierung.”

Rudolf Steiner, Landwirtschaftlicher Kurs, 4. Auflage 2010, S. 172-174

Ein Bündel Ackerschachtelhalm - Equisetum arvenseIn den länger zurückliegenden Jahren wurde die Anwendung von Ackerschachtelhalm in biodynamischen Landwirtschaftsbetrieben entweder als Mittel gegen Pilzkrankheiten oder – wegen des oft fehlenden Erfolgs – gar nicht angewendet. Dabei wies R. Steiner auf die prophylaktische Anwendung hin, z.B. auf Flächen, wo im Folgejahr mit Pilzkrankheiten zu rechnen ist.

Neuere Untersuchungen, z.B. vom Forschungsring e.V. mit Uli Johannes König zeigen, dass der Acker(!)schachtelhalm mit seinem speziellen Kieselprozess und seiner Nähe zu den Leben organisierenden Eiweißprozessen ein hervorragendes Hilfsmittel des biodynamischen Landbaus zur Stärkung der Produktqualität ist. Allgemein wird die Wirkung des Schachtelhalm-Präparates als “überwuchernde, ungestaltete Lebensprozesse in eine dem Oranismus dienende Ordnung zu fügen” beschrieben.
Im Merkblatt 7 des Forschungsring e.V. wird unter der Überschrift Erfahrungen von interessanten Versuchsergebnissen mit Kartoffeln berichtet: “In allen Versuchen zeigte sich, dass die Kartoffel in ihrer Qualität grundsätzlich verändert wird: aus der oft dumpf die Stoffwechselvorgänge betonenden Eigenschaft (“Schwere im Magen” bis zu Bewußtseinsdämpfung) wird eine relativ ausgeglichene Nahrungspflanze, die eine innere Helligkeit und Aufrechte zeigt…”. Als Untersuchungsmethode wurde die Prüfung auf Bildekräfte, begleitet durch Sensorik, angewendet.

Für mich bedeutet das Aufkochen des Schachtelhalm Suds jeweils im Januar, Februar und März eine willkommene Gelegenheit, mit der vergangenen Vegetationsperiode abzuschließen und ein “ausgeglichenes Feld” der neuen Periode zu bereiten.
Im zwar ungeheizten aber doch meist angenehmen Gewächshaus kann ich mit meinem Enkel den Tee bereiten, am nächsten Tag mit ihm die Brühe absieben und in die Rückenspritze füllen.
Was für eine Freude, wenn er mitten im Winter (heutzutage sind es ja eher strenge Herbsttage) mit Opa “Wasser” im Gewächshaus und auf der Apfelplantage versprühen darf.
…und so wird ganz unbemerkt aus einer anstehenden Arbeit ein innerliches “Beine hochlegen”, ganz wie es die Freunde schon immer geahnt hatten.

Ihr Hans-Martin Aurich

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